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FTX-Prozess: Ein Überblick über das Verfahren gegen Sam Bankman-Fried


FTX-Prozess: Geschworene befinden Sam Bankman-Fried in allen Anklagepunkten für schuldig

VIDEO: FTX founder Sam Bankman-Fried convicted on 7 federal counts
NBC News

Seit Anfang Oktober muss sich der FTX-Gründer Sam Bankman-Fried vor Gericht rechtfertigen. Ehemalige Weggefährten belasteten ihn in den vergangenen Wochen schwer. Nun hat die Jury ihr Urteil gesprochen.

FTX-Gründer Sam Bankman-Fried muss sich wegen Betrugsvorwürfen derzeit vor Gericht verantworten.

im FTX-Betrugsprozess hat eine 12-köpfige Jury den Gründer der Krypto-Börse, Sam Bankman-Fried, in allen sieben Anklagepunkten wegen Betrugs für schuldig befunden. Nach gut vierstündiger Beratung verkündete der Vorsitzende der Geschworenen am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) in Manhattan das Urteil, nachdem zuvor Anklage und Verteidigung ihre Schlussplädoyers beendet hatten. Der zuständige Richter Lewis Kaplan kündigte an, dass das Strafmass am 28. März 2024 bekanntgegeben werde. Bankman-Fried droht eine jahrzehntelange Haftstrafe.

Bankman-Fried war angeklagt, in einem der grössten Betrugsfälle aller Zeiten aus Habgier etwa 8 Milliarden Dollar von seinen Kunden gestohlen zu haben. Der Prozess gegen den heute 31-jährigen Krypto-Unternehmer wurde weltweit mit grösster Aufmerksamkeit verfolgt. Der Angeklagte hatte auf nicht schuldig plädiert. Bankman-Fried verfolgte die Urteilsverkündung im Gerichtssaal stehend und mit gefalteten Händen. Es wird erwartet, dass seine Anwälte Berufung einlegen werden.

Erst am vergangenen Freitag war Sam Bankman-Fried erstmals in den Zeugenstand getreten und hatte im FTX-Prozess vor der Jury ausgesagt. Zunächst sagte der Gründer der Krypto-Börse, dass bei der Durchführung von FTX einige Fehler gemacht worden seien: «Es gab erhebliche Versäumnisse».

Bankman-Fried räumte ein, dass «eine Menge Leute verletzt wurden», als die Kryptowährungsbörse zusammenbrach. Er habe aber niemanden betrogen oder Kundengelder gestohlen. Er habe viele Fehler gemacht, als er die jetzt bankrotte Börse leitete, vor allem, weil er kein engagiertes Risikomanagement-Team eingesetzt hatte. «Wir dachten, dass wir in der Lage wären, das beste Produkt auf dem Markt zu entwickeln», sagte der 31-Jährige. «Es hat sich im Grunde das Gegenteil herausgestellt. Viele Menschen wurden geschädigt, Kunden, Mitarbeiter, und das Unternehmen ging schliesslich in Konkurs.»

Am Donnerstag vor Bankman-Frieds Aussage hatte die Verteidigung ihre ersten beiden Zeugen vorgestellt, Krystal Rolle, Bankman-Frieds Anwalt auf den Bahamas, und den Datenbank-Experten Joseph Pimbley. Mit ihrem Antrag, Bankman-Fried ohne Jury-Entscheid freizusprechen, war die Verteidigung vor dem Richter gescheitert.

Die Staatsanwaltschaft hatte über 12 Tage lang Zeugen präsentiert. Unter ihnen enge Mitarbeiter und auch Bankman-Frieds ehemalige Geliebte Caroline Ellison. Sie war die Alameda-Chefin und gehörte zum engsten Führungskreis von FTX.

Inhaltsverzeichnis

VIDEO: FTX founder Sam Bankman-Fried found guilty in federal fraud and conspiracy trial
ABC7

    Seit dem 3. Oktober muss sich Sam Bankman-Fried in New York vor einem Geschworenengericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm siebenfachen Betrug und Verschwörung vor. Die Anklage steht in Zusammenhang mit dem Kollaps der Krypto-Börse FTX im November 2022.

    Laut der Staatsanwaltschaft soll Bankman-Fried Investoren in die Irre geführt und Kundengelder veruntreut haben. FTX schuldet seinen Gläubigern schätzungsweise 8 Milliarden Dollar. 2 Milliarden davon sollen vollständig verschwunden sein. Beim Kollaps von FTX sind Kundengelder in Milliardenhöhe an den Krypto-Hedge-Fund Alameda Research umgeleitet worden. Der Hedge-Fund wird von Sam Bankman-Fried kontrolliert.

    Zudem soll Bankman-Fried im Vorfeld der Midterm-Wahlen 2022 mehr als 100 Millionen Dollar gestohlen und damit die Demokraten im Wahlkampf unterstützt haben. Dabei soll er die Herkunft der Gelder verschleiert und die geltenden Spendenbeschränkungen umgangen haben. Bankman-Fried war einer der grössten Spender bezüglich der Demokratischen Partei in den USA.

    Bei einer ersten Anhörung im Januar 2023 plädierte der Angeklagte in allen Punkten auf unschuldig. Bankman-Fried räumte damals ein, dass es Mängel im Risikomanagement gegeben habe und er selbst Fehler gemacht habe. Er bestritt allerdings, Gelder veruntreut zu haben.

    Dass Bankman-Fried selbst in den Zeugenstand trat und aussagte, war aussergewöhnlich. In Betrugsprozessen raten amerikanische Anwälte ihren angeklagten Klienten normalerweise, nicht selbst auszusagen. Denn damit riskieren sie, sich in Widersprüche zu verheddern, sich selbst zu belasten oder die Jury gegen sich aufzubringen.

    Bereits nach dem Kollaps von FTX hat sich Bankman-Fried mehrfach leichtfertig in Interviews geäussert. So zum Beispiel gegenüber der «New York Times». Auch dem amerikanischen Sender ABC gab Bankman-Fried ein ausführliches Interview, das landesweit ausgestrahlt wurde.

    Bankman-Fried stellte sich in diesen Auftritten als überforderter Amateur dar. Der «New York Times» sagte er: «Ich weiss nicht genau, was los war. Ich habe nie versucht zu betrügen.» Oder weiter: «Ich glaube nicht, dass ich betrogen habe. Ich habe versucht, mein Bestes zu geben.»

    Die Anwälte rieten Bankman-Fried von solchen Interviews ab. Sie fürchten, dass angesichts der hohen Zahl an Geschädigten eine Klagewelle über ihn hereinbrechen wird und ihn jede weitere öffentliche Aussage zusätzlich belasten könnte.

    In den vergangenen Wochen war die Lage für Bankman-Fried immer prekärer geworden. Nicht bloss geschädigte Kunden sagten gegen ihn aus. Auch ehemalige Mitglieder seines innersten Zirkels traten in den Zeugenstand. Die Staatsanwaltschaft verfügt im Prozess über drei «Kronzeugen». Unter ihnen die ehemalige Alameda-Chefin und Geliebte von Bankman-Fried: Caroline Ellison.

    Ellison gilt als wichtigste Zeugin der Staatsanwaltschaft. Sie belastete ihn vor Gericht schwer. Bankman-Fried sei ein ehrgeiziger Mann und habe keinerlei Skrupel gehabt, Kreditgeber in die Irre zu führen und ihnen falsche Finanzinformationen zu geben. Weiter gestand Ellison, gemeinsam mit ihrem ehemaligen Partner Gläubigern des Alameda-Hedge-Fund gefälschte Bilanzen vorgelegt und sie getäuscht zu haben.

    Auch der ehemalige Technologiechef und FTX-Mitgründer Gary Wang sagte bereits gegen Bankman-Fried aus und belastete ihn schwer. Mitte Oktober sagte mit Nishad Singh der dritte «Kronzeuge» gegen Bankman-Fried aus. Singh war leitender IT-Ingenieur und sprach vor Gericht von einem enormen Loch in den Finanzen von FTX. Milliarden von Kundengeldern seien abgezwackt und in Bankman-Frieds Krypto-Hedge-Fund Alameda Research umgeleitet worden.

    Ellison, Wang und Singh bekannten sich zu Beginn des Prozesses allesamt schuldig und kooperierten mit der Staatsanwaltschaft. Sie hoffen, dass dies mildernde Umstände auf ihre Strafe hat.

    Vor dem Kollaps von FTX galt Sam Bankman-Fried als Krypto-Guru, er wurde verklärt und überhöht. Bankman-Fried war kein gewöhnlicher Milliardär. Schon durch sein Erscheinungsbild setzte er sich bewusst von der Masse in der Finanzindustrie ab.

    In Bankman-Frieds Elternhaus wurde die Philosophie des Utilitarismus gepredigt. Dessen Maxime lautet: Wie kann ein Mensch durch sein Handeln den grösstmöglichen Gesamtnutzen für alle erzielen? Als Bankman-Fried zu einem erfolgreichen Trader aufstieg, spendete er die Hälfte seines Einkommens an Organisationen. Damals wuchs in ihm die Überzeugung, dass er möglichst reich werden müsse, um möglichst viel Gutes tun zu können.

    Bankman-Fried kündigte seinen Job als Trader und zog sich zurück. 2017 entdeckte er eine Marktlücke und machte Millionen mit der Verschiebung von Krypto-Einheiten zwischen den USA und Japan. Mit dem Gewinn gründete er Alameda Research. Zwei Jahre später folgte die Gründung der Krypto-Börse FTX. Innerhalb kürzester Zeit stieg sie zu einer der grössten Krypto-Börsen weltweit auf. Forbes schätzte Bankman-Frieds Vermögen auf zeitweise 26,5 Milliarden Dollar. Immer wieder beteuerte er, sein Vermögen spenden zu wollen.

    Gemäss Bloomberg hat Bankman-Fried sein Geld bis zum Kollaps von FTX aber durchaus für profane Dinge ausgegeben. So soll er 135 Millionen Dollar für die Namensrechte an einem Basketballstadion und 30 Millionen für die Ausstrahlung eines Super-Bowl-Werbespots mit dem Komiker Larry David bezahlt haben. Bankman-Fried sagte dazu, er sei noch dabei, sein Geld zu mehren, und werde es später spenden.

    Nach dem Schuldspruch durch die Geschworenen muss das Gericht nun das Strafmass festlegen. Der vorsitzende Richter des Distrikts Manhattan, Lewis Kaplan, kündigte an, dass das Strafmass am 28. März 2024 festgesetzt werde. Bankman-Fried droht eine jahrzehntelange Haftstrafe.

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    Author: Jackie Hudson

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